Die Online-Dokumentation des 3.Offlyrik-Festivals dank...

...des Festivalfotografen ROMAN PLOENES

Roman Ploenes, Jahrgang 1966, lebt und arbeitet in Köln und Leverkusen im Bereich künstlerischer Fotografie und digitaler Grafik. Ein Schwerpunktthema ist die Struktur und Formensprache des Wassers. Beeinflusst von den Gedanken des modernen Philosophen Vilém Flusser setzt der Künstler neben klassischer Fotografie und Fototechnik die digitale Grafik ein. Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen. Seit 2000 zusätzlich Lektortätigkeit im Bereich Kunst- Religions- und Kulturwissenschaft.

Links: Kulturserver NRW & Fotoprojekt Freiburg & Atelier Ploenes


...und der Festivalfilmer WILDA WAHNWITZ & KARL H. BAAKE

Wilda WahnWitz (alias Myrite Maduse), Jahrgang 1952, lebt in Köln. Seit 2003 Soundforscherin, seit 2004 Filmemacherin/Videokünstlerin und Videoeditorin. WWW dokumentiert in ihren TV-Gesellschafts-Satiren den alltäglichen Wahnsinn unserer Politik, Umwelt und Kultur. Außerdem berichtet die kreative Videokünstlerin regelmäßig über die Kunst- und Kulturszene in Köln und Umgebung. Zu sehen sind ihre Videos im Programm von nrwision. Sie ist Mitglied der Vereine 68elf und NKF (Neuer Kölner Filmhaus). Methodisch arbeitet sie mit Vorliebe dokumentarisch im Stil der Videoguerrilla, spontan und situationsbedingt. Dies gilt auch für eigene ViralArtPerformances und Spielfilme, die entsprechend authentische Improfictions sind. Sie kreuzt oft dokumentarische und spielerische Elemente, betreibt Genrefucking und bei Videoart dubbt sie bevorzugt Originalmaterial bis zum optimalen Effekt. Inhalte betreffen persönliche Befindlichkeiten wie Höhenangst, Sozialabbau, Gewinn und Verlust von Heimat und Gemeinschaft, Verortung des Ichs.
Kanäle: Vimeo & YouTube

Karl H. Baake ist Mitglied in der VC (Videofilm Cooperation der VHS Düsseldorf) und des Vereins NKF (Neuer Kölner Filmhaus) sowie im BDFA (Bundesverband Deutscher Film-Autoren) und bei der GNS (General News Service Presse Germany)


"Wenn aber das Publikum sich mit dem konkreten Universum identifizierte, dann hätte der Schriftsteller wahrlich über die menschliche Totalität zu schreiben. Nicht über den abstrakten Menschen aller Zeiten und für einen zeitlosen Leser, sondern über jeden Menschen seiner Epoche und für seine Zeitgenossen. Plötzlich wäre die literarische Antinomie der lyrischen Subjektivität und der objektiven Zeugenschaft überwunden. Demselben Abenteuer verpflichtet wie seine Leser und genau wie sie in eine einheitliche Gemeinschaft hineingestellt, würde der Schriftsteller, wenn er von ihnen spricht, von sich selber sprechen und, wenn er von sich selber spricht, über sie sprechen. (...) wenn die Literatur sich eines Tages ihres Wesens erfreuen soll, dann wird der Schriftsteller ohne Klasse, ohne Kollegen, ohne Salons, ohne großartige Ehrungen, ohne Würdelosigkeit in die Welt und unter die Menschen geworfen werden, (...) er wird wissen, daß ihm nicht die Anbetung des Geistigen zukommt, sondern die Vergeistigung. Vergeistigung - das heißt: WIEDERINBESITZNAHME. Und es gibt nichts anderes zu vergeistigen und nichts anderes wieder in Besitz zu nehmen als diese bunte und konkrete Welt ... Der Schriftsteller wird die Welt unverändert wieder in Besitz nehmen - ganz roh, schwitzend, stinkend, alltäglich, um sie auf der Grundlage einer Freiheit Freiheiten darzubieten. (...) die Literatur ist, ihrem Wesen nach, die Subjektivität einer in permanenter Revolution befindlichen Gesellschaft. In einer solchen Gesellschaft würde sie den Widerspruch von Wort und Tat überwinden. (...) In einer Gemeinschaft, die immer wieder zur Besinnung kommt, sich beurteilt und verwandelt, kann das geschriebene Werk eine wesentliche Voraussetzung zur Tat sein, d.h. das Moment eines reflektiven Bewußtseins. So würde in einer nicht erstarrten Gesellschaft ohne Klassen und ohne Diktatur die Literatur ganz ihrer selbst bewußt werden: sie würde begreifen, daß Form und Inhalt, daß Publikum und Stoff identisch sind, daß die formale Freiheit des Redens und die materielle Freiheit des Handelns sich gegenseitig ergänzen (...) Selbstverständlich handelt es sich hier um eine Utopie: es ist möglich, eine solche Gesellschaft sich vorzustellen, aber wir verfügen praktisch über kein Mittel, sie zu verwirklichen."

Jean-Paul Sartre, 1950 in: WAS IST LITERATUR?


"Man könnte meinen, daß die Lebensbereiche es auch im Gedicht nötig haben, sich immer enger zusammenzuschließen. Privates und Öffentliches überlagern sich derart, daß sie zu einem Agreement kommen müssen, ob sie wollen oder nicht. (...) Das 'öffentliche' Gedicht meint also Gesellschaft, aber natürlich poetisch, nicht soziologisch. Es meint ihre Einrichtungen und ihre Korrumpierungen. Es setzt diese Massengesellschaft voraus, vor der ersten Gedichtzeile, und möchte die der Sensibilität des einzelnen phantastisch und oft genug gespenstisch anmutenden Erscheinungsformen poetisch leibhaft werden lassen. Es tut das oft, ohne daß man ihm Stellungnahmen anmerken könnte. Es registriert eher als es kommentiert. (...) Aussprache sei hier als nichts anderes denn ein kurzes Belichten von Dasein verstanden, eines Daseins, das stellvertretend für unzählige steht. Die 'Belichtung' bemüht sich darzulegen, daß der Tod des einzelnen, so gering sein Leben auch anzusehen ist, etwas eröffnet, was mehr ist als in der Ziffer einer Statistik festgehalten werden kann, etwas, das nicht einzuordnen ist in abstrakte Zahlenkolonnen. Dieser winzige Rest, der nicht aufgeht, der ein Ärgernis oder ein Geheimnis bleibt, der jedenfalls unbequem ist ..."
Karl Krolow (11.3.1915-21.6.1999), 1960/61 in der 4.Vorlesung als Gastdozent für Poetik an der Universität Frankfurt im Wintersemester: "DAS POLITISCHE ALS DAS ÖFFENTLICHE GEDICHT" (erschienen in: ASPEKTE ZEITGENÖSSISCHER DEUTSCHER LYRIK, 1963, LISTBücher 249)